Rückblick
2025
2024
Festveranstaltung in Düsseldorf zum Jubiläum der Ostpreußen in NRW vom 19. Oktober
Seit 75 Jahren die Interessen der Vertriebenen im Fokus – Der wehmütige Blick zurück wurde zum mutigen Ausblick nach vornvon Bärbel Beutner
Die Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe NRW beging am Sonnabend, den 19. Oktober ihr 75-jähriges Bestehen. Gründungsdatum war der 25. April 1949. Die Feier fand im Gerhart-Hauptmann-Haus (vormals das Haus des deutschen Ostens), gegründet auf Initiative durch Erich Grimoni, erster Vorsitzender der Landesgruppe, in Düsseldorf statt.
Am Donnerstag, den 17. Oktober, kamen Arnold Piklaps und Rasa Miuller vom Simon-Dach-Haus aus Memel an. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag traf der Schülerchor des Hermann-Sudermann-Gymnasiums in Memel mit den Lehrerinnen Asta Alminé und Marta Einars ein.
Für die Gäste fand am Freitag ein Vorprogramm in Düsseldorf und Solingen statt. Jörg Geerlings MdL, CDU-Fraktion, führte die Gruppe durch den Landtag und stellte im Plenarsaal das politische System in Nordrhein-Westfalen vor. Es entwickelte sich ein reger Meinungsaustausch zwischen dem Referenten und den Gästen. Die Gedenkstätte auf Schloss Burg wurde anschließend besucht. Der Tag wurde durch eine Bergische Kaffeetafel abgerundet.
Ostpreußische Spezialitäten
Die Gedenk- und Kulturveranstaltung am 19. Oktober sollte um 13 Uhr beginnen. Um dies zu schaffen, erfolgte die Vorbereitung bereits ab 9 Uhr. Das anspruchsvolle Programm verlangte eine funktionierende Technik, der Chor probte, für das leibliche Wohl wurden Geschirr, Getränke und Gebäck bereitgestellt. Am Eingang des Saales entstand eine Theke, auf der ostpreußische Spezialitäten angeboten wurden. Die Besucher konnten Bärenfang, Nikolaschka und Marzipan, aber auch Bücher und Postkarten sowie alte Fotos erwerben. Das Angebot fand großen Anklang. Geschickte Hände dekorierten zudem die Bühne und die bereitgestellten Stehtische mit allerlei an Früchten, Nüssen, Kürbissen und Äpfeln – ein wahrhaftiger Erntedank.
Das Programm eröffnete die Gruppe „Geigenleut“ unter Leitung von Winfried S. Küttner mit einem musikalischen Schritt ins Memelland. Der Vorsitzende der LO NRW, Klaus-Arno Lemke, begrüßte die Anwesenden zu einem Fest, das nicht nur „zum Jubeln“ einlud. Auch in ein „Jubiläum“ dringt der Schmerz über den Heimatverlust vor nunmehr 80 Jahren. Andererseits habe die Landesgruppe NRW seit 75 Jahren unermüdlich für die Belange der Vertriebenen, für das heimatliche Erbe, für die grenzüberschreitende Kulturarbeit, für Versöhnung und Freundschaft mit den heutigen Bewohnern und damit für Frieden in Europa gearbeitet. Somit sei ein solcher Tag eben ein Grund zu einer festlichen Veranstaltung.
Hoffnung in dunklen Zeiten
Gedankt wurde für die übermittelten Grußworte von Heiko Hendriks, Beauftragter für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern des Landes NRW, Jochen Ott, Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag, Jörg Geerlings für die CDU-Fraktion, Rudi Pawelka, Vorsitzender des BdV Landesverbandes NRW. Vorgetragen wurde das Grußwort des Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat. Hierin erinnerte der Sprecher: Als die Landesgruppe NRW im April 1949 gegründet wurde, gab es die Bundesrepublik Deutschland noch nicht.
Das Kantjahr 2024 soll auch in NRW gebührend begangen werden, betonte der Vorsitzende und begrüßte den Referenten Jörn Prekul aus Berlin, der einen zweiteiligen Vortrag über den Philosophen Immanuel Kant (1724–1804) halten sollte. Mit einigen Kant-Zitaten stimmte Lemke das Publikum darauf ein und versprach, dass die Landsleute in NRW weiterhin ihre Pflicht für die Heimat und für den Frieden wahrnehmen werden.
Winfrid S. Küttner, Musiker und Pastor, hielt eine bewegende Andacht, in der er an das Leid der deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen erinnerte, welches sich leider in der heutigen Welt wiederholt. Er nannte zugleich Beispiele der Hoffnung und des Lebenswillens. Alles kleine Wunder, die es auch in schlimmsten Zeiten immer wieder gibt. An die Andacht schloss sich die Totenehrung an. Hier wurde, stellvertretend für alle Heimgerufenen, an den im Januar verstorbenen Ehrenvorsitzenden Ehrenfried Mathiak gedacht. Das bewegende Musikstück „Der Traum“ wurde gleichsam zur Brücke zum zweiteiligen Vortrag von Pekrul „Königsberg und Kant – bis heute gemeinsam für die Aufklärung“.
Mit Kant auf Streifzug
Als „Doppelbiographie“ war der Vortrag im Programm angekündigt – „doppelt“ insofern, als die Geschichte der Stadt Königsberg vorgestellt wurde und der Philosoph Kant, der mit seiner Vaterstadt „eine Einheit“ bilden würde wie selten jemand anderes in der Geschichte.
Mit reichem Bildmaterial nahm Pekrul seine Zuschauer mit auf die Reise nach Königsberg. Da ging es zunächst in die Ordenszeit, dann trat Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach auf (1490–1568), der letzte Hochmeister des Ordens, der das Ordensland in ein weltliches Herzogtum umwandelte und die Reformation einführte. Unter Herzog Albrecht entstand ein geistiges und kulturelles Zentrum am Pregel. Ein erster Höhepunkt war schließlich die Gründung der Universität im Jahr 1544.
Pekrul ging auf die Frühaufklärung ein und hob – sozusagen als „Laune der Geschichte“ – hervor, dass die drei Teilstädte Altstadt, Kneiphof und Löbenicht im Geburtsjahr Kants 1724 unter eine gemeinsame Verwaltung gestellt wurden. Königsberg sollte zum Zentrum der Aufklärung werden.
Im zweiten Teil des Vortrags folgte das Publikum den Wegen Kants durch seine Vaterstadt. Dabei schilderte der Referent das Leben des Philosophen, seine Herkunft, seine akademische Laufbahn, seine verschiedenen Fachbereiche, seine Genialität und ebenso seine Eigenarten. Der überaus lebendige Vortrag mit Gedichteinlagen und Anekdoten „zauberte“ Kant und das Königsberg des 18. Jahrhunderts geradezu nach Düsseldorf. Der Schritt ins Heute, die Aktualität Kants angesichts der modernen Medien, wie KI, sorgte für viel Gesprächsstoff bei den überaus begeisterten Zuhörern.
Emotionales Liedgut
Die Musik prägte den weiteren Verlauf des Programms. Die Freude über die jungen Gesichter und Stimmen des Schülerchores aus Memel sah man dem Publikum an. Die Lieder „Zogen einst fünf wilde Schwäne“ und „Ännchen von Tharau“ bewegten die Seelen. Rasa Miuller stellte Simon Dach, den Dichter des „Ännchen“ vor, der dem Haus des Deutschen Vereins in Memel und dem Brunnen am Theaterplatz den Namen gegeben hat. Ein sehr informativer Vortrag, zu dem eine kleine Ausstellung mitgebracht worden war. Als Arnold Piklaps über die Geschichte und die Aktivitäten des Deutschen Vereins berichtete, gab es ebenso nachdenkliche wie erfreute Gesichter. Die ostpreußische Kultur erreicht im Osten selbst eine breite Öffentlichkeit und wird hochgeschätzt.
Der Chor sang „Sag mir, wo die Blumen sind“ und „Über sieben Brücken musst du gehen“ – Lieder, die zu dem Beitrag von Marta Einars passten, die an der Geschichte ihres Vaters das Schicksal der Wolfskinder in Litauen schilderte. Doch Hoffnung, Freude und Gottvertrauen, das alles überwog bei dem vielfältigen Repertoire. Das fröhliche „Veronika, der Lenz ist da“ wischte einige Tränen über die Wolfskinder fort. Ja, der Lenz kommt immer wieder.
Das Ostpreußenlied bildete den Abschluss der Feier. Asta Almine, die Leiterin des Schülerchores, begleitete am Flügel einen kräftigen, erhebenden Gesang.
Delegierten- und Frühjahrstagung der Landesgruppe NRW vom 23. März
von Bärbel Beutner
Oberhausen – Wie gewohnt, fand die Delegierten- und Frühjahrstagung der Landesgruppe NRW am 23. März in Oberhausen in dem vertrauten „Haus Union“ statt. Die Landsleute freuten sich, dass der PAZ-Redakteur Hans Heckel als Referent gewonnen werden konnte, und man hoffte auf lebhafte Diskussionen. Der Tag war jedoch mit einem arbeitsreichen Programm gefüllt, denn es standen Neuwahlen des Vorstandes an. Regularien, Berichte und Arbeitsgespräche füllten den Vormittag aus. Alfred Nehrenheim, langjähriges Vorstandsmitglied der LO NRW, übernahm die Wahlleitung. Zum Vorsitzenden wurde Klaus-Arno Lemke gewählt. Die Stellvertreter sind Dr. Bärbel Beutner und Joachim Mross. Herr Klaus-Arno Lemke erklärte sich bereit, für das Amt des Schatzmeisters wieder zu kandidieren, und wurde mit großer Mehrheit gewählt. Er wird von der Geschäftsführerin Margitta Romagno unterstützt werden. Für das Amt der Schriftführerin stand nur Dr. Bärbel Beutner zur Verfügung und wurde mit Mehrheit gewählt. Auch dabei wird der Vorstand einen Weg zu verstärkter Teamarbeit angehen. Sieben Beisitzer und Beisitzerinnen wurden gewählt: Jochen Zauner (Fachreferent), Eckard Jagalla (Webmaster), Peter Harder (Jugendarbeit), Gerhard Scheer (Bezirksreferent Bielefeld/Detmold-Lippe), Margitta Romagno (Bezirksreferentin Düsseldorf), Gerda Wornowski (Bezirksreferentin Köln/Aachen) und Elke Ruhnke für allgemeine Beratung. Die Wahlperiode des Vorstandes umfasst zwei Jahre. Der Vortrag von Hans Heckel wurde in der Einladung schlicht unter der Überschrift „Aktuelles aus Politik und Gesellschaft“ angekündigt. Der Referent wies aber gleich zu Beginn darauf hin, dass es für ihn schwierig sei, bei den momentanen rasanten Ereignissen und Veränderungen einen Schwerpunkt zu finden. „Die Geschichte macht keine Pause, und heute schon gar nicht!“, stellte er fest. Es sei eine Umbruchperiode wie zu Beginn der 1990er Jahre. Er habe sich schließlich dazu entschieden, die deutsche Innenpolitik genauer zu besprechen. Dazu entwarf er allerdings ein düsteres Bild, indem er bei der Regierung die Absicht wahrnahm, das Land „in Grund und Boden zu regieren“. Die Regierenden würden einen Machtverlust befürchten und daher immer stärkere Mittel einsetzen, um gegen den Willen des Volkes ihre Interessen durchzudrücken. Bei einer Umordnung müssten sie um ihre Existenz und die finanziellen Zuwendungen fürchten und setzen daher Methoden ein, die auf eine offene Ausschaltung der Demokratie hinauslaufen. Den Weg der „Grünen“ zeichnete Heckel nach von der Anti-Atom-Bewegung über die Friedensbewegung bis hin zur „Anti-Deutschland“-Politik heute. Die Partei habe ihre Ziele erreicht: Ausstieg aus der Atomenergie, Abbau der Bundeswehr, Durchlässigkeit der Grenzen. Die Union sei mit ihrer Gegenwehr gescheitert. Wie war das möglich? Der Referent erklärte das weitgehend mit der „Verschmelzung“ der Positionen. Die Parteien würden sich kaum noch voneinander unterscheiden. Inzwischen hätten die „Grünen“ jedoch ihre weltanschauliche Führungsrolle verloren, ebenso auffallend die Sympathie im Volk. Die Reaktion darauf sei eine Kontrollsteigerung des Bürgers bis hin zur Überwachung. Was angeblich zum „Schutz des Bürgers“ unternommen würde, sei eigentlich ein Schutz der Organisationen und des Systems vor dem Bürger und vor der Freiheit der Demokratie. Der Referent scheute sich nicht, die Begriffe „Schutzhaft“ (Drittes Reich) und „Gedankenpolizei“ (1984) ins Spiel zu bringen. Der „Schutz der Demokratie“ werde dann zu einem totalitären Verbot. Gefährlich sei dabei auch die schwammige Sprache, die zu einer subjektiven Einschätzung von Schuld und Vergehen führt.Die Demokratie könne nur überleben, betonte Heckel, wenn ein demokratisches Volk sich für sie einsetzt. Institutionen, selbst die Kirchen halten sich zurück aus Sorge um ihre Existenz. Hier hörten die Landsleute aus den Worten des Referenten den Philosophen Immanuel Kant (1724-1804), dessen 300. Geburtstag im April auf der ganzen Welt gefeiert wird. Der mündige Mensch ist gefordert, der sich seines eigenen Verstandes bedient und nach dem Moralgesetz handelt, das seine Vernunft ihm zeigt. Nur darin liegt letztlich die Lösung auch unserer Probleme. Eine harte Arbeitstagung, in der nur einige erheiternde Beiträge über Geschichten aus Suleyken von Siegfried Lenz die Atmosphäre auflockerten, wurde mit dem Ostpreußenlied beendet.